ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Professor Pfeiffer am 13.10.2008 in Hamm

Jugendzentren abschaffen!

Professor Christian Pfeiffer am 13. Oktober 2008 in Hamm: Mitarbeiter und Sachmittel der Jugendzentren komplett in die Schulen verlegen – Jugendzentren verkaufen!

Auf Einladung unter anderem des DGB und der Arnold-Freymuth-Gesellschaft fand am 13. Oktober 2008 im Kurhaus in Hamm eine Veranstaltung mit Professor Dr. Christian Pfeiffer statt. Er hat es wieder getan: Dr. Pfeiffer fordert weiterhin unter anderem die Abschaffung von Jugendzentren. Die Häuser sollten verkauft und die engagierten(!) Mitarbeiter nachmittags in der Ganztagsschule eingesetzt werden.Wir dokumentieren eine Sendung der „Lippe-Welle“ (Hamm) vom 14. Oktober 2008, die wir hierfür verschriftlicht haben.

 

Radio Lippe-Welle (Hamm) am 14. Oktober 2008

Moderation: „Junge Männer heute sind abgestumpft, desillusioniert und gewaltbereit, sagt Prof. Dr. Christian Pfeiffer, ehemaliger Justizminister von Niedersachsen und Direktor des dortigen Instituts Kriminologischen Forschungsinstituts. Er sprach gestern Abend im Kurhaus über sein Lieblingsthema 'Gewalt unter männlichen Jugendlichen', die Ursachen und wie man ihnen helfen kann, den verbitterten Jungs. Lippe-Reporterin Bettina Weber-Kesting hat sich dieses schwierige Thema mal zu Gemüte geführt. – Hast Du denn was Neues gelernt, gestern Abend? Gewalt unter Jugendlichen ist – an sich – ja nicht neu!“

Bettina Weber-Kesting: „Das stimmt, aber relativ neu ist die Tatsache, dass besonders Jungen, also das männliche Geschlecht, extrem betroffen sind von Dingen wie gesellschaftlichem Leistungsdruck, die gehen da anders mit um, schulischem Druck, und die reagieren da härter darauf. Entsprechend häufiger sitzen sie auch am PC, und das ist laut Professor Dr. Pfeiffer nachweislich der Grund Nummer 1 für eine deutlich erhöhte Gewaltbereitschaft unter Jungen. Und der Mann an sich ist außerdem sowieso vorbelastet – genetisch – und so eine gewisse Rollenverteilung ist noch immer in den Köpfen drin.“

Originalton Pfeiffer: „Die Jungen werden cool, werden animiert, die Schmerzen runterzuschlucken, nicht zu zeigen, dass sie Gefühle haben, und sie negieren auch, sie verleugnen die Gefühle anderer, das Leiden der anderen. Das wird verstärkt durch Computerspiele.“

Moderation: „Es gibt ja eindeutig mehr Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen. Das ist bewiesen. Es trauen sich aber auch immer mehr jugendliche Opfer, Anzeige zu erstatten.“

Bettina Weber-Kesting: „Das haben sich vor Jahren ja viele noch gar nicht getraut. Das konnte Professor Dr. Pfeiffer ganz deutlich verkünden, und er lobte in diesem Zusammenhang die Kooperation zwischen Schule und Polizei.“

Originalton Pfeiffer: „In den Städten, in denen die Polizei besonders engagiert die Chance erhalten hat, an den Schulen sich zu präsentieren, ist die Anzeigebereitschaft von Opfern des Raubes drastisch nach oben gegangen mit dem Ergebnis: die Räuber kriegen richtig Angst, dass sie Ärger bekommen, wenn sie was Verbotenes tun und lassen es dann besser. Zweitens: Dort, wo die Schulen eine Kultur des Hinschauens organisieren, auch da geht die Gewalt zurück, wenn aber die Lehrer wegschauen, dann steigt sie wieder.“

Moderation: „Hatte der Professor denn auch Ideen, wie man den Jugendlichen helfen kann, also, was die Stadt ganz konkret tun kann?“

Bettina Weber-Kesting: „Er nannte so’n paar Beispiele, die uns allen aber auch wirklich deutlich machten, wie reichlich wenig Deutschland für seine Kinder und Jugendlichen tut – vor allen Dingen in Sachen Bildung. Hier bei uns würde Professor Dr. Pfeiffer erst einmal mit kleineren Dingen anfangen, zum Beispiel mit der Abschaffung der Hauptschule, die seiner Meinung nach zusammen mit Jugendzentren zu den problematischsten Bereichen für gewaltbereite Jugendliche gehört.“

Originalton Pfeiffer: „Man verheiratet die Hauptschule mit der Realschule zu einer Regelschule – wie in Sachsen und Thüringen mit großem Erfolg geschehen – und man baut die Schulen zu Ganztagsschulen aus, die nachmittags ein Motto umsetzen: Lust auf Leben wecken durch Sport, Musik, durch Theater, durch soziales Lernen, durch Dinge, die Spaß machen. Ich würde das Personal der Jugendzentren komplett in die Ganztagsschule integrieren und die ganzen Sachmittel, die dort bisher genutzt werden. Ich würde die Jugendzentren verkaufen und mit dem Erlös eine Mensa bauen.“

Moderation: „Jugendzentren abschaffen! Ich könnte mir vorstellen, das hören die Jugendzentrumsmitarbeiter in Hamm überhaupt nicht gerne – oder wären sie sogar bereit, in den Schulen nachmittags mit den Jugendlichen zu arbeiten? Was halten Sie von diesen radikalen Vorschlägen des Professors?“

Sendung „Hallo wach!“ in: Lippe-Welle Hamm vom 14. Oktober 2008 – 7.12 Uhr – Moderation: Simone Niewerts

 

Weitere Berichte

Thema Jugendgewalt - Vorankündigung des Westfälischen Anzeigers vom 14. Oktober 2008 (Fotodatei) - Herunterladen

"Lust auf Leben wecken" - Berichterstattung des Westfälischen Anzeigers vom 15. Oktober 2008 - Komplettbericht mit Bildern (als Foto) - Herunterladen

"Lust auf Leben wecken" - Bericht des Westfälischen Anzeigers (Hamm) vom 15. Oktober 2008 (als PDF) - Herunterladen

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22. April 2009

 

 

 

 

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