ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

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handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Fremdsprache Pferd

 

fs-Workshop mit Heinz Welz

Bewegung im Round Pen

 

Von Gisela Krockauer

Euer Pferd besser verstehen - das wollt ihr doch alle! Zehn Kinder haben es beim fs-Workshop mit ihren Ponys geübt. 160 Zuschauer waren einen spannenden Tag lang dabei. fs-Redakteurin Gisela Krockauer hat mitgestaunt und mitgefiebert ...

Weit draußen, etliche Kilometer von der Stadt Waldbröl entfernt, liegt mitten im Wald das Gut Ommeroth. Überall drumherum auf den Hangweiden grasen die Pferde. Sie kennen es schon, dass Besucher kommen, und schauen ihnen beiläufig nach, sie kennen auch die Turnieratmosphäre, weil auf Gut Ommeroth immer wieder Reitveranstaltungen stattfinden. Auch was heute hier passieren wird, ist den Pferden auf den Wiesen egal, obwohl es eine Premiere ist: der fs-Workshop speziell für Kinder und Jugendliche. Sie und auch all die Erwachsenen sind hergekommen, weil sie mehr über eine bessere Verständigung mit den Pferden lernen möchten. Heinz Welz lüftet mit ihnen gemeinsam das Geheimnis der Pferdeflüsterer! Er ist ein Mensch, der sich mit der Körpersprache der Pferde vertraut gemacht hat und seine Erfahrungen in Demonstrationen und Seminaren weitergibt. Vor einiger Zeit war Heinz noch der Meinung, dass junge Menschen sich bei so einem Seminar nicht genügend konzentrieren könnten, dass sie das Thema vielleicht gar nicht verstehen. Aber die Kinder belehrten ihn jedes Mal eines Besseren. Und heute gibt er zu, dass immer, wenn ein Jugendlicher an seinem Seminar teilnahm, dieser die beste Kommunikation mit seinem Pferd im Round Pen vorführte. So kam es, dass Heinz Welz spontan zusagte, mit "freizeit im sattel" gemeinsam diesen Workshop zu veranstalten - und dies sogar ohne Honorar. Denn der Reinerlös aus dem fs-Workshop sollte einem Pferdeschutzhof gespendet werden!

Wer flüstert, macht andere neugierig

Gespannt sitzen am frühen Morgen also Sarah und Nadine, Gina, Carolin, Katharina und Inken, Jonathan und Christin und alle anderen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auf ihren Stühlen und hören Heinz zu, als er über seine Ausbildungsmethode erzählt. Offen sagt er, dass es keine Geheimnisse sind, die er preisgibt. Er will den Menschen nur helfen, die Sprache der Pferde, obwohl diese wortlos ist, besser zu verstehen. "Dass manche Menschen Pferdeflüsterer genannt werden", sagt er, "hat nur etwas mit dem Film mit Robert Redford und dem Buch von Nicholas Evans zu tun. Tatsache ist, dass man euch einfach mehr Aufmerksamkeit schenkt, wenn ihr ruhig und leise mit jemandem sprecht. Wenn ihr rumschreit, verschreckt ihr den Gesprächspartner und seid auch nicht mehr in der Lage, euch auf ihn zu konzentrieren, euch richtig mit ihm zu verständigen. Und das wollt ihr doch alle: euch mit der Freundin, dem Freund und eben auch eurem Pferd gut verstehen?" Und jetzt flüstert Heinz, ganz leise redet er zum Publikum, verspricht, dass alle heute kleine Schritte zur besseren Verständigung mit dem Pferd sehen und erleben werden. Die Kinder und das Publikum hören genau zu ... und plötzlich fängt Heinz an zu brüllen. Eigentlich spricht er seinen Satz weiter, doch nun wirkt es bedrohlich, die großen und kleinen Leute in der Reithalle ziehen den Kopf ein. So macht er deutlich, wie die Stimmlage ein Gespräch beeinflussen kann - zum Guten oder zum Unangenehmen.

Genauso anschaulich schafft er es durch seine stark übertrieben dargestellte Körperhaltung, durch Gebärden und Gesichtsausdruck, uns manche Fehler beim Umgang mit Pferden aufzuzeigen: Wer mit vorgerecktem Kopf, starrem Blick, verkniffenem Mund und hochgezogenen Schultern auf ein Pferd zugeht, wirkt bedrohlich, wer mit hängendem Kopf und schlaffer Körperhaltung davor steht, wird von seinem Pferd kaum respektiert, sondern möglicherweise angerempelt oder umgerannt. So hält Heinz den Menschen einen Spiegel vor - und dies so witzig, dass sie oft lachen müssen.

In dieser fröhlichen Atmosphäre sollen die Kinder, die aktiv mit oder auch ohne eigenes Pferd mitmachen, nun über ihre Pferde berichten und sagen, warum sie an diesem Workshop teilnehmen. Alle haben ein klares Ziel: Sie möchten ihr Pferd besser verstehen können. Aber manche haben auch Probleme mit ihrem Tier. Der Paso Peruano Partbred Destino beispielsweise hat Sarah schon mal durch die Reithalle mitgezogen, obwohl er vorher brav bei der Bodenarbeit mitgemacht hat; Carolin wird von ihrem Pferd manchmal gegen die Wand gedrückt; der junge Isländer Gleipnir hat Christin einmal in den Kopf gezwickt und sie wusste nicht, warum er dies tat und ob sie ihn dafür strafen sollte. Andere Kinder möchten wissen, warum ihr Pferd vor manchen Situationen Angst hat oder warum es vor Hunden scheut. Dies alles sind Beispiele dafür, dass ein Pferd dem Menschen nicht genügend vertraut oder zu wenig Respekt vor ihm hat.

Das Pferd reagiert auf unsere Körperhaltung, nicht auf die Worte

Wie aber genau dies bei der Arbeit im Round Pen (im sicher eingezäunten "Klassenzimmer" für Pferde) erreicht werden kann, wird Heinz gleich mit Jonathans Welsh-Araber-Stute vorführen. Während die hübsche Koranya sich schon mal in ihrem neuen Klassenzimmer umschauen darf, erklärt Heinz weiter: "Wir Menschen reden fortwährend mit unserem Pferd, auch wenn wir kein Wort sagen. Unsere Tiere sind in der Lage, unsere Gefühle und was wir denken mit einer Art Röntgenblick zu erkennen. Wir können sagen: ´Pferd, du brauchst keine Angst zu haben!´, aber wir selber haben Angst und drücken genau das durch unsere Körperhaltung aus - das Pferd wird auf diese Körperhaltung reagieren, nicht auf das, was wir gesagt haben!"

Heinz berichtet nun, wie beeindruckt er war, als er vor einigen Jahren den bekannten amerikanischen Pferdetrainer Monty Roberts und dessen Art, Pferde auszubilden, kennen lernte. Er erzählt, wie Monty bereits als kleiner Junge begann, die Pferde genau zu beobachten und dabei herausfand, wie sie miteinander umgingen, wie sie miteinander "sprachen": Dass ein unaufmerksames, ungehorsames Pferd in einer Herde vom Leittier immer für eine kurze Zeit von der Gruppe ausgestoßen wird, dass dieses Tier dann mit feinen Körpersignalen sagt: "Bitte, bitte, lasst mich nicht allein, ich bin wieder brav und benehme mich gut, denn ich möchte euren Schutz und folge euch!" Diese "Sprachregeln" über die Verständigung in einer Herde zu begreifen, sagt Heinz, ist keine Sache, die in ein paar Tagen gelernt werden kann, genauso wie man auch Englisch als Fremdsprache nicht in ein paar Tagen lernen kann.

Die kleine Stute sagt "nein" zu Heinz .

Und dann geht es los: Heinz geht in den Round Pen, um mit der Welsh-Araber-Stute seine Kommunikations-Methode zu zeigen. Zuerst will er Koranya begrüßen, doch sie wendet sich von ihm ab. Sofort schickt er sie mit dem Seil, seinem "verlängerten Arm", extra weiter weg, nach dem Prinzip: Wenn du mit mir als Leittier nicht kommunizieren willst, weise ich dich ab. Die Stute soll nun traben, aber immer wieder bleibt sie stehen, muss äppeln oder will lieber in die andere Richtung weiterlaufen. Koranya sieht nicht ein, dass sie diesem fremden Mann ihre Position als Leittier abgeben soll. Eher will sie ihn umrennen, nach ihm treten. Das alles sei ihr gutes Recht, erklärt Heinz; diese selbstbewusste und ranghohe Stute muss einfach testen, ob der Mensch wirklich eine noch höhere Position als sie beanspruchen darf - denn von der Unterordnung unter das Leittier hängt in der Natur schließlich das Überleben ab.

. und will Leittier bleiben

Jonathan guckt ganz entsetzt, als seine Koranya Runde um Runde traben muss, er sieht, dass sie mit Heinz nicht arbeiten will. Obwohl Heinz jede seiner Aktionen erklärt und fachkundig kommentiert, haben einige Zuschauer Mitleid mit dem Tier. Nach einiger Zeit ist die Stute immerhin so weit von Heinz überzeugt, dass sie bereitwillig mit ihrer Hinterhand ausweicht, wenn er sie darum fragt. Aber mit der Vorhand zur Seite treten (was eine noch größere Respektbezeugung wäre) - oh nein, nicht Koranya! Als sie dann endlich doch einige Ansätze davon zeigt und ihre Vorderhufe zentimeterweise von der Stelle bewegt, gibt Heinz sich zufrieden damit, und die Stute darf zurück in ihren Paddock.

Jetzt wird viel über diese Übungsstunde im Round Pen diskutiert: Die Besitzer des Pferdes meinen, dass Koranya ihre Verantwortung, die sie zuhause als Leitstute in ihrer fünfköpfigen Herde hat, an einen Unbekannten nicht so leicht abgeben wollte. Koranya sei sehr auf die Familie bezogen und gerade gegenüber den Kindern ausgesprochen verlässlich.

Auch Heinz gibt zu, dass die Stute sich sehr schwer mit der Einsicht ihrer Lage im Round Pen getan hat. Aber er betont wieder, dass Zeit und Ausdauer ganz wichtig bei der Arbeit mit Pferden sind: Die Ziele, die man sich gesetzt hat (ob das Pferd beispielsweise antraben, eine Runde Schritt gehen oder die Richtung wechseln soll), müssen erreicht werden.

Das Pferd möchte sich auf seinen Menschen verlassen

Denn das Pferd soll merken, dass der Mensch es ernst meint mit seinen Fragen und nicht gewillt ist, seine Forderungen rückgängig zu machen. Dies würde ein Pferd verwirren, denn es braucht einfach eine klare Führung, wenn es folgen soll. Und dass es folgen soll, erwarten die Menschen ja schließlich von ihm ...

Der Dialog zwischen Mensch und Pferd im Round Pen geschieht in der Sprache, die jedes Pferd von Geburt an lernt und versteht: Es ist die Körpersprache, die Verständigung der Gedanken und feinen Gesten. Heinz: "Wenn ihr dem Pferd sagt, ,weiche mit deiner Hinterhand aus', und es geht keinen Tritt zur Seite, und ihr sagt dann, ,okay, dann üben wir das eben morgen', habt ihr dem Pferd gegenüber verloren. Erst wenn es weiß, dass ich meine Versprechen ebenso wie meine Forderungen einhalte, kann das Pferd sich auf mich verlassen und mir vertrauen."

Damit die Zuschauer sehen können, wie gut die Verständigung mit einem Pferd klappen kann, steigt Heinz auf seinen Paint Horse Wallach Zan. Durch ihn ist er zu seiner FOL-KOMM-EN-Methode geführt worden, da Zan ihm früher oft genug auf den Füßen herumgetrampelt und ihn ignoriert hatte. Pat Parelli (ein bekannter Pferdetrainer aus Amerika), dem Heinz damals sein Problem schilderte, lachte darüber und sagte: "Lass dir was einfallen, das Pferd ist einfach intelligenter als du."

Und so machte Heinz sich seine Gedanken und lernte die Pferdesprache ...  Zan hat ihn inzwischen verstanden und arbeitet gerne mit - allerdings nie, ohne seine eigenen Ideen einzubringen. Gelassen trabt und galoppiert er ohne Kopfstück, stellt sich auf Heinz' Bitte hin mit allen vier Hufen auf ein (so scheint es) zu kleines Podest, weicht lediglich auf Fingerzeig seitwärts und kommt auch seitwärts wieder zu Heinz zurück.

Nach dieser eindrucksvollen und motivierenden Vorstellung dürfen die Kinder mit ihren Pferden nun selbst im Round Pen ausprobieren, wie diese Methode funktioniert.

Destino versteht Sarahs Signale

Als erste kommt die 17-jährige Sarah mit ihrem dreijährigen Paso Wallach Destino. Sie hat gut aufgepasst und fordert ihr Pferd mit einer deutlichen Körperhaltung zu seinen Aufgaben auf: Trab, Galopp, Schritt, Wendungen. Nach wenigen Minuten ist Destino klar, nach welchen Regeln hier gespielt wird, und er reagiert ganz fein auf Sarahs Zeichen. Bald ist er auch bereit, ihr seine Aufmerksamkeit ganz zu schenken: Als er sie mit einer Kopfwendung direkt ansieht, lädt seine Chefin ihn sofort mit ihrem ihm zugedrehten Rücken ein. Auf diesem befindet sich nämlich ein unsichtbares Schild mit der Aufschrift: Komm mit, folge mir! Und diese Botschaft können alle Pferde lesen! Also macht sich der Rappe auf den Weg und läuft ihr vertrauensvoll hinterher. Alle sind begeistert, und auch Sarah lächelt glücklich. "Erstaunlich, er hat viel besser reagiert, als ich gedacht hatte. Ich habe mir einfach vorgestellt, was ich machen will, und es hat geklappt. Ich habe immer versucht, in Richtung Pferd zu arbeiten", sagt sie nach dieser Übung im Round Pen. "Ja", bestätigt Heinz, "ihr müsst einfach immer wissen, was ihr machen wollt. Eure Vorstellungskraft überträgt sich auf die Körperhaltung, und so könnt ihr euer Pferd motivieren. Wenn ihr hingegen sagt: ´Vielleicht möchte mein Pferd ja galoppieren´, wird es das vielleicht auch tun. Sagt ihr aber: ´Ich will, dass du galoppierst', wird das Pferd dies vielleicht nicht sofort tun, aber bestimmt nach kurzer Zeit!"

Merlin vertraut Nadine - und folgt

Nun kommt das nächste Paar in den Round Pen. Nadine, elf Jahre alt, fällt die Zusammenarbeit mit ihrem zehnjährigen Schimmel Merlin zunächst etwas schwer: Es ist auch wirklich nicht einfach, so im Rampenlicht vor den vielen Zuschauern zu stehen! Nadine wirkt etwas unsicher. Deshalb kommt Heinz zu ihr in den Round Pen, tritt hinter sie, und beide gemeinsam vermitteln Merlin, was er tun soll: traben, stoppen, wenden ... In dieser Tandem-Haltung findet Nadine immer mehr Sicherheit und ist bald in der Lage, eindeutig mit ihrem Wallach zu kommunizieren. Auch Merlin ist schnell bereit, seiner jungen Freundin zu folgen und ihr damit zu sagen, dass er sich bei ihr beschützt und wohl fühlt. "Es ist unglaublich, dass er es tatsächlich getan hat," sagt Nadine später. Sie hat ihren Schimmel wirklich unterschätzt. Zuhause läuft Merlin nämlich nur manchmal hinter ihr her oder kommt, und meist geht Nadine auf ihn zu ... Ab jetzt sieht sie Merlin und auch sich selbst mit anderen Augen: "Ich war überrascht, dass mir das so gut gelungen ist".

Die kleine Christin meint es ernst mit Gleipnir

Und wieder betritt ein anderes Paar den Round Pen: Die elfjährige Christin steht ganz souverän mit ihrem jungen Islandpferd Gleipnir im "Klassenzimmer". Offensichtlich hat der Wallach auch keine Bedenken, seiner jungen Freundin zu vertrauen. Er lässt sich zur Begrüßung von ihr streicheln, weicht ihr aus und folgt ihr. Doch bald wird es ihm wohl etwas langweilig, und er wendet sich von Christin ab. Das ist das Zeichen für sie, ihn nun wegzuschicken, denn er hat sie ja nicht mehr beachtet.

Jetzt ist deutlich zu sehen, dass diese Reaktion seiner kleinen Freundin für das Pferd etwas Neues ist: "Komisch, die war doch immer so nett zu mir, was ist denn jetzt los? Meinst du wirklich ernst, was du mir da sagst?", scheint er zu fragen. Doch die zierliche Christin meint es ernst, und Gleipnir findet dies eigentlich gut: "Ja, du bist okay, dir folge ich auch gerne," sagt er nach einer Weile.

Mit ihrem Jonathan arbeitet Koranya gern

Nun sind alle Zuschauer gespannt, denn jetzt kommt noch einmal Koranya - die hartnäckige, kleine Stute, die Heinz am Vormittag so erfolgreich zum Laufen und Schwitzen gebracht hatte, in die Halle. Dieses Mal soll Jonathan, ihr 13-jähriger Freund, mit ihr die Round Pen-Erfahrung machen. Nun ist die Stute viel kooperativer als vormittags. Ob Koranya selbst Erkenntnisse dazugewonnen hat, oder ob ihr der vertraute Jonathan doch eher zusagt als der große, fremde Heinz? Willig läuft sie Runde um Runde, eben so, wie der Junge es ihr aufträgt. Um sie dann allerdings auch noch einige Sprünge galoppieren zu lassen, muss Jonathan selber ganz schön Dampf machen - aber unter den anfeuernden Rufen aller Kinder und Zuschauer klappt es und die Stute macht einige Galoppsprünge! Bald schon folgt Koranya seiner Frage, ob sie stehen bleiben möchte. Es ist spannend, wie sie dann ganz vorsichtig, wie zufällig, mit den Vorderbeinen in seine Richtung tritt. Jonathan steht ganz still, zeigt ihr einladend seinen Rücken mit der nur für Pferde sichtbaren Aufschrift "Folge mir" ... plötzlich bellt ein Hund! Huch - Koranya springt zur Seite und in Jonathans Richtung. Geschickt hat sie so ihren Wunsch, ihm zu folgen, in diesem Sprung getarnt. Vorsichtig tritt sie immer weiter hinter ihn und stupst ihn dann ganz leicht an. Jonathan geht einen Schritt nach vorne von ihr weg, oh weh - sie ist sich nicht sicher: Soll sie ihm folgen? Ja! Ganz langsam scheint sie zu akzeptieren, dass plötzlich Menschen ihre (Körper-)Sprache sprechen und dass ihr Freund sie leiten möchte. Jonathan und Koranya bekommen - wie übrigens alle Kinder und Pferde - einen tosenden Applaus!

Führen und folgen am langen Seil

Zum Abschluss des Tages sollen alle aktiven Teilnehmer mit den Pferden ein Training am langen Seil machen. Es dient dazu, das Pferd ganz fein zu führen und es empfindsam und aufmerksam zu machen für die Signale des Menschen, es dabei aber auch mit allerlei Gegenständen zu berühren und gelassen zu machen: Das Training mit dem Seil festigt auf kreative Weise die Freundschaft miteinander. Carolin und Gina, Inken und Jonathan, Christin, Nadine und alle anderen wuseln jeweils paarweise um ein Pferd. Am langen Führseil lassen sie es folgen oder seitwärts weichen, rückwärts treten, klopfen es zart mit dem Seil ab und werden dann immer erfinderischer: Mit speziellen Stöcken aus Fiberglas, Regenschirm und Plastikplane, ja sogar mit dem fs-Dekorations-Schild werden die Pferde von allen Seiten berührt, bedeckt, beraschelt. Anfangs zucken noch Gleipnir oder Destino bei der ungewohnten Berührung, doch nach kurzer Zeit stehen alle Pferde gelassen da, sind neugierig darauf, sich immer wieder andere Gegenstände und Aktionen anzusehen. Die Spannungen der Zwei- und Vierbeiner sind jetzt vollständig abgebaut, die Pferde vertrauen den Kindern, und diese haben am Ende dieses langen Tages immer noch jede Menge Energie, um mit ihren Pferden am losen Seil um den Round Pen zu traben ... denn es geht plötzlich ganz mühelos, und jedes Pferd folgt seinem Kind ganz konzentriert durchs Gewusel.

So ist es viel später als geplant geworden. Heinz verabschiedet sich von den Zuschauern. Sicher kann man nicht alles behalten, was heute gesagt wurde, aber es gab viele Denkanstöße zum Umgang mit dem Pferd. "Danke für diesen schönen Tag", verabschiedet sich Ginas Mutter von uns. "Ich fand es klasse. Sogar meine Mutter, die mitgekommen ist und nichts von Pferden versteht, ist begeistert", sagt Inken zum Abschied.

Und schon am folgenden Tag bekamen Heinz Welz und die fs-Redaktion einige Rückmeldungen: Nadine beispielsweise konnte am Abend nach dem Workshop ihren Merlin zum ersten Mal selber verladen und geht seither mit ihm alleine ohne andere Pferdekumpels spazieren ...

Vorstehender Beitrag wurde zunächst in der "freizeit im sattel" 9/2000 veröffentlicht. Anschrift: freizeit im sattel - Die Fachzeitschrift rund ums Reiten, Droste-Hülshoff-Straße 3, D-53129 Bonn, www.freizeit-im-sattel.de, Telefon 0228/5301251. Die Autorin ist in der Redaktion zuständig für das Jugendmagazin. Wir bedanken uns bei der "freizeit im sattel", die uns diese Veröffentlichung freundlicherweise gestattete, sowie bei Andrea York von der "freizeit im sattel", die uns dabei sehr unterstützt hat.

Die NAGEL-Redaktion

Dortmund, im August 2003

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