ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

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Ziegen können mehr als meckern


Foto: Rainer Deimel

 

Nützliche Helfer bei der Weidepflege

Von Alexandra Schedel-Stupperich

Schon zur Zeit unserer Großväter hielt man Ziegen im Pferdestall, denn "die Ziege nimmt die Krankheiten aus dem Stall". Dies war damals sicher ein Aberglaube, dennoch gibt es auch heute noch in vielen Pferdeställen wenigstens eine Ziege als Gesellschaftstier oder Stallmaskottchen.

Ziegen wissen, was schmeckt

Ziegen und Pferde verstehen sich auch auf der Weide ganz hervorragend und können deshalb problemlos gleichzeitig gehalten werden. Bis zu einem gewissen Grad sind Ziegen auch recht gute Weidepfleger. So fressen sie beispielsweise mit Vorliebe junge Brennnesseln, die besonders an starken Geilstellen (Brennnesseln sind Stickstoffanzeiger!) wachsen und von den Pferden normalerweise verschmäht werden. Ziegen gewöhnen sich schnell an die Weidehaltung. Sie benötigen bei mittlerer Bodenqualität etwa 0,15 ha Futterfläche pro Jahr. Bei aller ihr nachgesagten Anspruchslosigkeit ist eine Ziege aber ein ausgesprochener Feinschmecker. Sie bevorzugt recht kräuterreiche Weiden mit Klee, Bärenklau und wilder Möhre - Futterpflanzen, die Pferde ebenfalls zu schätzen wissen. Ziegen knabbern aber auch Disteln, Sträucher und Baumrinde. Durch ihren festen, unempfindlichen Gaumen haben sie sich an die harten, scharfen Gräser, dornigen Sträucher und Kräuter ihrer eigentlichen Heimat im Mittelmeerraum angepasst.

Ziegen mögen Wärme und Trockenheit

Die Ziegen ursprünglich aus einer sehr trockenen Region stammen, sollten sie auch in hiesigen Breiten nur auf trockenen Wiesen gehalten werden. Staunässe auf der Weide oder im Stall vertragen sie überhaupt nicht. Zum einen können sie sich bei Nässe leicht erkälten. Zum anderen reagieren sie überaus empfindlich auf den hierzulande leider noch sehr häufigen Leberegel (Fasciola hepatica). Eine Infektion mit diesem Parasit führt meist zum Tod der Tiere.

Weidezaun - ziegenfest

Ziegen sind überaus lebhafte Tiere. Sie lieben es, in ihrer Umgebung umherzustreifen, wenn sie nicht durch einen festen Weidezaun davon abgehalten werden. Ein "normaler" Pferdezaun stellt an die Intelligenz und Findigkeit der Ziege keine hohen Ansprüche. Der für Schafhalter entwickelte elektrische Maschenzaun ist für Ziegen zu niedrig. denn sie springen mühelos bis 1,50 m hoch. Man sollte also noch zwei bis drei Litzen in 25 cm Abstand darüber spannen. Diese Zusatzsicherung bringt man am besten außerhalb des Pferdezauns an, da sich Pferdehufe im Maschendraht verfangen können.

Ziegen im Stall? Man riecht's!

Zum Schutz vor Regen brauchen die Ziegen dringend einen Unterstand. Möglichst sollte dieser vom Offenstall der Pferde getrennt sein. Im Notfall wird auch ein ausgedienter Pferdetransporter gerne akzeptiert. Eine ganzjährige Offenstallhaltung ist für Ziegen ungeeignet. Die wärmeliebenden Tiere vertragen unser nasskaltes Winterklima nicht und sollten deshalb von Oktober bis April in einem geschlossenen Stall gehalten werden. Während dieser Zeit ist unbedingt auf eine entsprechende Stallhygiene zu achten. Ob der Stall sauber genug gehalten wird, kann man in der Regel sehr schnell riechen, denn Ziegen entwickeln einen starken Eigengeruch. Ein sauberer Ziegenstall schlägt sich auch in der Milch- und Fleischqualität nieder.

Kosten und Nutzen

Heute gewinnen Tiere auch wirtschaftlich wieder an Bedeutung. Wenn dies für den Pferdehalter auch zweitrangig ist, kann man sich doch durch die Haltung dieser Tiere ein bisschen das Taschengeld aufbessern, denn viele ernährungsbewusste Zeitgenossen schätzen Ziegenmilch oder -käse. Der Produktabsatz erfolgt allerdings hauptsächlich an den Endverbraucher. Staatliche Zuschüsse gibt es jedoch für den Kauf oder die Aufzucht von Zuchtböcken. Doch der Kauf mehrerer Ziegen (Ziegen lieben es gesellig) verursacht dem Pferdehalter auch einige Unkosten. Für eine Ziege sollte man zwischen 200,--  und 400,-- Euro kalkulieren. Am besten kauft man sie über einen Ziegenzuchtverband. Er garantiert gesunde und robuste Tiere und steht auch gern mit Rat zur Seite.

Auskünfte über den
Bundesverband Deutscher Ziegenzüchter (1)
Godesberger Allee 142-148
53175 Bonn
Telefon 0228/8198-0
Telefax 0228/371850
Geschäftsführer: Dr. Stefan Völl
Telefon 02289198-231
Anschriften der regionalen Ziegenzuchtverbände auf Anfrage dort.

Vorstehender Artikel wurde zunächst in "Freizeit im Sattel" 1/90 und dann in DER NAGEL 51/1990 veröffentlicht. Wir danken der "fs" und Alexandra Schedel-Stupperich vom Gestüt Stuppenhof in Marienmünster für die freundliche Nachdruckerlaubnis.

Anmerkung:
1 Anm. d. Red.: Die Aktualisierung wurde im September 2002 vorgenommen.

 

 

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