ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Der Disputierer: Buebs Erweckungspädagogik

Bernhard Bueb: Lob der Disziplin

Die NAGEL-Redaktion zum Buch „Lob der Disziplin“

Ein „Ordnungsliebender“ hat hier ein ziemliches krauses Traktat zusammengeschrieben. Woher seine Vorstellung stammt, in der Pädagogik gäbe es „keine neuen Erkenntnisse“, bleibt sein Geheimnis. Vermutlich war er lange genug resistent gegenüber selbigen; dies möglicherweise aufgrund seiner Irrwege, die im Buch nachzulesen sind: Ein ehemaliger Reformer findet seinen Weg zurück in Zeiten des Anstands und der erwachsenen Überlegenheit. Wenn einem dies – gerade in Deutschland – die Nazivergangenheit bloß nicht so verdammt schwer machen würde! Immerhin waren laut Bueb die Nationalsozialisten „Meister der Gemeinschaftserziehung, das darf man nicht verschweigen“. Ferner hält Bueb die „Angebotspädagogik“ für gescheitert. Sie widerspräche „der Natur des Menschen“. Mit dieser Behauptung reiht er sich ein in die Reihe von Behauptern à la Christian Pfeiffer, die die Kinder- und Jugendarbeit zu diskreditieren versuchen. Dies hindert ihn allerdings nicht daran, seitenweise Angebote zu referieren, die offenkundig aus der Kinder- und Jugendarbeit „geklaut“ wurden, die  nunmehr von Schulen, insbesondere Internaten, kopiert werden sollen. Jene Schulen sollen der Garantieort für Unterordnung und Zucht sein, Brutstätten der Disziplin. Die gemeine Familie ist mit derartigen Aufgaben ohnehin überfordert. Die bessere Familie tut gut daran, die Frau und Mutter in die Arbeit gehen zu lassen. In Eva Hermans Sinn glaubt Bueb ebenfalls, dass im Grunde die Mutter in ihrer Rolle versagt. Unter anderem deshalb ist Gemeinschaftserziehung für ihn ein großes Thema. Da soll eben die Schule ran. All der gepredigten Liebe zum Trotz: Bernhard Bueb, der ehemalige Leiter des „Elite“-Internats Schloss Salem, verkündet in seinem Werk eine Renaissance der „Schwarzen Pädagogik“. Unfähige Mütter und Familien dienen ihm dabei als gediegene Beispiele. In seinen Zuchtanstalten für Masochisten und – wenn wir Pech haben! – Sadisten feiert die alte Welt dann demnächst fröhliche Urständ; leider nur selten, denn zuerst kommt die Pflicht für die völlig unvollkommenen Kinder und Jugendlichen. Dass Bueb mit seiner „Streitschrift“ im Grunde eher eine „Spaßschrift“ veröffentlichen wollte, dokumentiert er letztlich mit folgender Aussage: „Frankreich kennt bereits seit 1880 (1) die flächendeckende Versorgung mit Ganztagseinrichtungen vom ersten Lebensjahr an. Niemand wird Frankreich für ein familienfeindliches Land halten.“ Das tun wir gewiss nicht, allerdings halten wir einen Autor, der solch einen Blödsinn verbreitet, für einen ungeeigneten „Familienbotschafter“.

Wir haben die jungen Kolleginnen und Kollegen von KRÄTZÄ (Berlin) gebeten, uns zu „füttern“, damit wir unsere LeserInnen weiter auf dem Laufenden halten können, um die Diskussion aufzumöbeln. Zuerst haben wir das Buch von Bernhard Bueb ignoriert, da wir keine unnötige Werbung machen wollten. Das „Philosophische Quartett“ und Johannes B. Kerner haben Bueb eingeladen und er war dort. Deshalb beteiligen wir uns ebenfalls an diesem Diskurs.

Gehen Sie in Ihre Bücherei, leihen Sie sich das Buch aus, schreiben Sie uns. Gehen Sie zu Veranstaltungen – damit sprechen wir insbesondere unsere FachkollegInnen an –, in denen Leute wie Bernhard Bueb und Christian Pfeiffer auftreten und widersprechen Sie dort. Ihre Widersprüche veröffentlichen wir gern im i-Punkt und auf unseren Internet-Seiten.
(de-ip)

i-Punkt 1/2007

Bernhard Bueb: Lob der Disziplin. Eine Streitschrift.
Berlin 2006: List Verlag (in Ullstein Buchverlage), 174 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 13: 978-3-471-79542-2, ISBN-10: 3-471-79542-1


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(1) Sic!

Nachtrag

Als wir Ihnen diese Seite im Januar 2007 zur Verfügung stellten, konnten wir "die Welle", die ausgelöst werden würde, noch nicht absehen. Zwischenzeitlich erreichten uns immer mehr Beiträge, die wir ebenfalls hier eingestellt haben. Um Ihnen die Recherche zu vereinfachen, können Sie sich die Beiträge nunmehr auch direkt von hier aus herunterladen.

Bevor Sie zu den Links gelangen, möchten wir auf ein Ende Februar 2007 erschienenes Buch hinweisen:

Micha Brumlik (Hg.): Vom Missbrauch der Disziplin. Antworten der Wissenschaft auf Bernhard Bueb
Weinheim und Basel 2007: Beltz Verlag, 246 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 978.3-407-85765-1

Mit Beiträgen von Hans Thiersch, Wolfgang Bergmann, Micha Brumlik, Sabine Andresen, Claus Koch, S. Karin Amos, Manfred Spitzer und Frank-Olaf Radtke

 

Zu Ihrer Nutzung gelangen Sie von hier aus auf die nachfolgende aufgeführten Unterseiten:

Prof. Dr. Hans Brügelmann (Universität Siegen): Pädagogen sind keine Mechaniker (Beitrag in der "taz" vom 27. September 2006). Hans Brügelmann stellte uns den Beitrag mit Schreiben vom 1. Februar 2007 zur Verfügung.
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Matthias Altenburg (Schriftstelle aus Frankfurt am Main): Kasernenhofpädagogik: Weniger Disziplin bitte! (Feuilleton in der ZEIT Nr. 40 vom 28. September 2006)
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Ulrich Hecker (Rektor der Regenbogenschule in Moers - Stellvertetender Vorsitzender des Grundschulverbandes): "Lob der Disziplin" oder Chancen, sich zu bewähren? (Veröffentlichung des Grundschulverbandes. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung Ulrich Heckers im i-Punkt 1/2007)
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Jonas Lanig (GEW Vorsitzender in Nürnberg): Basta-Pädagogik (Beitrag in der GEW-Zeitschrift "Erzehung & Wissenschaft" 1/2007)
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Manfred Triebe (GEW Berlin): Macht mit Liebe (Beitrag in der "blz" - Zeitschrift der GEW Berlin 12/2006)
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Reinhard Kahl (Wissenschaftsjournalist - "Treibhäuser der Zukunft"): Erwachsen werden ... (Beitrag der ZEIT 40/2006 vom 28. September 2006 - Literaturbeilage)
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Simon Sakowski: Zuschrift an den ABA Fachverband vom 2. Februar 2007: Widerspruch! Praxisfortbildung "Hexenjagd und Bücherverbrennung". Die "ABA-Affäre" um Pfeiffer und Bueb
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Sabine Pamperrien: Vom Hundetraining lernen. Rezension zum Buch "Vom Missbrauch der Disziplin - Antworten der Wissenschaft auf Bernhard Bueb" (Hg.: Micha Brumlik). Sie  beschreibt im Feuilleton der NETZEITUNNG vom 20. Februar 2007, welche Auffassung die Wissenschaftler in dem Buch vertreten.
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Wissenschaftler beziehen Position: Auf dieser Seite finden Sie den Beitrag "Da ist kurzer Prozess angesagt" des Hannoveraner Kinderpsychologen Wolfgang Bergmann aus der Frankfurter Rundschau vom 23. Februar 2007 und das Interview "Zuneigung statt Disziplin" mit Prof. Dr. Micha Brumlik (Universität Frankfurt) aus der Frankfurter Rundschau vom 17. Februar 2007.
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Von der Kunst des Erziehens: Der ehemalige Kinderladen-Aktivist Daniel Cohn-Bendit im Gespräch mit Bernhard Bueb, dem Autor des Buches „Lob der Disziplin“ (Veröffentlicht in der ZEIT Nr. 10 vom 1. März  2007)
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Im i-Punkt 2/2008 haben wir eine Rezension des überaus lesenswerten Buches Aberglaube Disziplin. Antworten auf das "Lob der Disziplin" von Prof. Dr. Rolf Arnold veröffentlicht. Das Buch ist erschienen im Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 2007.
Rezension herunterladen

Weitere Hinweise bei Wikipedia
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Überführt in das ABA-Internet-Archiv am 19. März 2008

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19. März 2008

 

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