ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Sicherheit auf Spielplätzen

 

Spielgeräte in Ordnung? - Was ist zu tun und wer hilft?

Von Klaus Wolf

Vielfältig, attraktiv, altersgerecht und naturnah sollen sie sein - die Spielgeräte und Spielräume auf Pausenhöfen von Schulen und auf dem Außengelände von Kindergärten. Immer wieder beschäftigen sich Lehrkräfte, Erzieherinnen und Eltern mit sinnvollen Veränderungen oder Ergänzungen ihrer Außenanlagen, um auf diese Weise neue und interessante Bewegungs- und Wahrnehmungsangebote zu präsentieren und damit einen wichtigen Beitrag für die weitere körperliche und seelische Entwicklung ihrer Kinder zu leisten. Doch wer kümmert sich darum, dass auch alles so bleibt, wie es einmal gedacht, ausgeführt und bereitgestellt worden ist?
Jeder weiß, dass Spielgeräte im Laufe der Zeit ihre ursprüngliche Beschaffenheit verlieren und trotz bester anfänglicher Ausführungs- und Errichtungsqualität nach und nach einen Zustand erreichen, der mehr oder weniger umfangreiche Reparatur- oder Wartungsarbeiten erforderlich macht. Wie schnell und wie häufig dieser Fall eintritt, hängt sowohl von der Nutzungsintensität als auch von Witterungseinflüssen ab und ist kaum mit exakten Angaben vorher zu bestimmen. Fest steht jedoch, dass es an den Spielgeräten auf gar keinen Fall so weit kommen darf, dass diese Abnutzungs- und Verschleißeffekte zu Sicherheitsrisiken werden, die mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit schwere Unfallverletzungen nach sich ziehen (z.B. Verlust von Leben, Beweglichkeit, Sinneswahrnehmung, Körperteilen).
Die Kernfrage in diesem Zusammenhang ist also, wie lassen sich Schäden/Mängel an den Spielgeräten rechtzeitig erkennen, damit gezielt eingegriffen werden kann, um es nicht zu solch schweren Unfällen kommen zu lassen? Sobald in Schulen und Kindergärten dieser Gedanke thematisiert wird, kommen recht schnell weitere Fragen auf den Tisch:

- Wer hat zu veranlassen, dass Spielgeräte auf ihre Sicherheit überprüft werden?
- Wie oft müssen solche Spielplatz-/Spielgerätekontrollen sein?
- Was ist dabei alles zu überprüfen?
- Wer darf bzw. kann derartige Kontrollen durchführen?
- Was ist zu tun, wenn Mängel festgestellt werden?

Ein Teil dieser Fragen wird in der DIN EN 1176, Teil 7 "Spielplatzgeräte - Anleitung für Installation, Inspektion, Wartung und Betrieb" behandelt. Es finden sich dort Hinweise allgemeiner Art, wie bei der Umsetzung dieser Kontrollaufgabe vorzugehen ist.
Die betreffenden Normtexte enthalten alle wesentlichen Punkte, die im Kern auch der bisherigen Rechtsprechung zu Grunde liegen, wenn es zu folgenschweren Versäumnissen in Verbindung mit Spielgerätekontrollen gekommen ist. Lassen Sie uns einmal ganz praktisch die o.a. Fragestellungen für den Schul- und Kindergartenalltag beleuchten.

Wer hat Kontrollen zu veranlassen?

Die Verpflichtung ergibt sich ganz allgemein für denjenigen, der Träger einer Schule oder eines Kindergartens ist und dabei im Rahmen seiner vertraglichen Obliegenheiten den Schülern und Kindern ein mit Spielgeräten ausgestattetes Außengelände zur Verfügung stellt (allgemeine Verkehrssicherungspflicht). Bei den Sachkostenträgern von Schulen und kommunalen Kindergärten fällt diese Aufgabe zunächst den Personen zu, die in leitender Position für diesen Bereich zuständig und verantwortlich sind (z.B. Amts- oder Fachbereichsleiter). Bei Schulen und Kindergärten in kirchlicher oder freier Trägerschaft z.B.

- die Vorstände in den Kirchengemeinden
- die verantwortlichen Vertreter in den Kirchenkreisen bzw. Diözesen
- die Geschäftsführer in den Wohlfahrtsverbänden (DRK, AWO u.a.)
- die Vorstände von Elternvereinen/Elterninitiativen
- die Schulleitungen (Waldorfschulen, Montessorischulen u.a.)

Die Einrichtungen kennen ihre jeweiligen "Vorgesetzten" eigentlich sehr genau und tun gut daran, sich diesbezüglich bei ihrem Träger zu erkundigen, ob entsprechende Maßnahmen ergriffen und in die Wege geleitet sind. Darüber hinaus ist der Schulträger und der Träger eines Kindergartens als "Unternehmer" aufgrund der Sicherheitsbestimmungen des

Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover bzw. der Landesunfallkasse Niedersachsen verpflichtet, in angemessenen Zeiträumen entsprechende Überprüfungen der Spielgeräte durchführen zu lassen.

Wie oft sind die Kontrollen durchzuführen?

Die Kontrollen sind von ihrem Umfang und ihrer Intensität in drei Kategorien eingeteilt:

- Sichtkontrollen

(visuelle Routineinspektion)

- Funktionskontrollen

(operative Inspektion)

- Jahreskontrollen

(jährliche Hauptinspektion)

Außer bei der jährlichen Hauptinspektion, die in Abständen von nicht mehr als 12 Monaten vorzunehmen ist, gibt es für die beiden übrigen Kategorien keine festen Zeitintervalle. Je nach Beanspruchung der Spielgeräte, der Benutzung durch Dritte (z.B. Kinder/Jugendliche an Nachmittag- oder Abendstunden bzw. an Wochenenden) oder der Lage in sozialen Brennpunkten (z.B. Beobachtung von Zerstörungen durch Vandalismus) können sich unterschiedliche Kontrollintervalle ergeben, die jede Einrichtung aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen selbst untereinander diskutieren und festlegen muss. Als Anhaltspunkt werden heute bei "normaler" Nutzung folgende Zeiträume genannt:

- Sichtkontrollen

wöchentlich bis vierzehntäglich

- Funktionskontrollen

monatlich bis vierteljährlich

Soweit Spielgeräte gekauft wurden, sollte man sich neben den allgemeinen Produktinformationen in jedem Fall auch die Hinweise für die Installation und die Informationen zur Inspektion und Wartung vom Hersteller/Verkäufer besorgen. Er ist gemäß DIN EN 1176, Teil1, nicht nur dazu verpflichtet entsprechende Aufbau- und Wartungsanleitungen zur Verfügung zu stellen, sondern hat auch Aussagen darüber zu machen, wie häufig die jeweiligen Spielgeräte zu kontrollieren sind. Bei Spielgeräten hingegen, die im "Eigenbau" errichtet wurden, wie auch bei naturnahen Spielelementen, wird man nicht umhin kommen, sich selbst Gedanken und Festlegungen über die Inspektionshäufigkeit zu machen.

Was ist alles zu überprüfen?

Zunächst ist es sinnvoll, über die verschiedenen Spielmöglichkeiten, die der Schulhof bzw. das Außengelände bietet, eine Bestandsaufnahme anzufertigen. Sie soll Auskunft über Art und Anzahl der Spielgeräte geben und ist bei Veränderungen laufend zu aktualisieren. Die Unterlagen sollten in der Schule bzw. im Kindergarten aufbewahrt werden und so abgefasst sein, dass sie gleichzeitig als "Kontrollbuch" Informationen über den Zeitpunkt und die Ergebnisse der Inspektionen enthalten.

Für die drei Kontrollkategorien lässt sich der Umfang in etwa wie folgt festlegen:

Sichtkontrollen

  • Vorstehende Nägel, Schrauben, Bolzen u.a. im Berührungsbereich
  • Beschädigungen an Seilen, Ketten, Bändern, Autoreifen u.a.
  • Freiliegende Fundamente
  • Starke Riss- oder Splitterbildungen an Holzteilen im Berührungsbereich
  • Beschädigungen an Sitzflächen von Rutschen, Schaukeln, Wippen, Bänken u.a.
  • Gegenstände/Fremdkörper/Hindernisse in den Fallräumen der Spielgeräte
  • Durchgebrochene oder fehlende Holzteile z.B. an Laufstegen, Podesten, Geländern, Aufstiegen
  • Fehlende/entfernte Schutzverkleidungen an Öffnungen oder beweglichen Geräteteilen (Rohrhülsen, Drehgelenke u.a.)
  • Verschmutzungen durch Müll, Abfälle, Scherben, insbesondere in Sandspielbereichen
  • Vorstehende stachelige Pflanzenteile oder Spitzen von abgebrochenen Ästen/Zweigen in Spiel- und Laufbereichen
  • Fehlende bzw. entfernte Abdeckungen von Schächten/Gruben
  • Beschädigungen an Einfriedungen

Funktionskontrollen

  • Gelockerte Verbindungen, z.B. Schrauben, Bolzen, Klammern, Haltegriffe u.a.
  • Abnutzungen bzw. Bewegungseinschränkungen an Ketten, Wälzlagern, Gelenken, Drehachsen, Spiralfedern u.a.
  • Bodenfreiheit von Sitz- oder Drehflächen, z.B. bei Schaukeln, Wippen, Seilbahnen, Karussels u.a.
  • Schichtdicke/Beschaffenheit des Fallschutz-Bodenmaterials in den Spiel- und Fallbereichen
  • Offensichtliche Instabilität, z.B. durch Schiefstellung oder starke Beweglichkeit des Spielgerätes

Die Funktionskontrolle schließt natürlich auch alle Punkte der Sichtkontrollen mit ein !!!

Jahreskontrollen

  • Einwandfreier, betriebssicherer Zustand der Gesamtanlage
  • Standsicherheitsprüfung (z.B. Rütteln, Besteigen), ggf. Belastungsversuche
  • Fangstellen an der Spielgerätekonstruktion (Kopf, Hals, Füße, Finger)
  • Verrottung bzw. Fäulnisbildung aller tragenden Holzbalken, besonders von Pfosten im Erdreich (Ausgrabung, Freilegung)
  • Korrosionsschäden an tragenden Stahlteilen, insbesondere auch Schweißverbindungen
  • Angefaulte bzw. morsche Äste/Zweige von Kletterbäumen

Zur Jahreskontrolle gehören selbstverständlich auch alle Punkte der Sicht- und Funktionskontrollen !!!

Es versteht sich von selbst, dass die aufgeführten Punkte keinen Anspruch auf Vollzähligkeit erheben und je nach Lage vor Ort ggf. zusätzliche Kontrollelemente aufgenommen werden müssen.

Wer darf und kann die Kontrollen durchführen?

Zunächst ist hinsichtlich der Qualifikation zwischen den Sichtkontrollen und den Funktions- bzw. Jahreskontrollen zu unterscheiden. Die Sichtkontrollen orientieren sich in erster Linie an den naheliegenden Gefahrenquellen, die allein durch Inaugenscheinnahme im Rahmen einer gezielten Besichtigung des Schulhofs oder Außengeländes auffallen und sich als offensichtliche, für jeden erkennbare Mängel herausstellen. Insofern bedarf es für diese Aufgabe keiner speziellen Fachausbildung. Jeder, der in seiner täglichen Arbeit diese Dinge vor Augen hat, ist grundsätzlich in der Lage, derartiges zu tun, wenn er sich ganz konkret und gezielt diese Aufgabe vornimmt. Das heißt, in der Schule und im Kindergarten darf und kann die Sichtkontrolle durchaus von Lehrkräften und Erzieherinnen durchgeführt werden. Auch Hausmeister oder speziell ernannte Sicherheitsbeauftragte können ggf. damit beauftragt werden.
Anders sieht es mit den Funktions- und Jahreskontrollen aus. Grundsätzlich gilt hier, dass die für diese Aufgabe benannten Personen eine entsprechende Befähigung haben müssen. Man spricht ganz allgemein von Sachkundigen, die aufgrund ihrer beruflichen Ausbildung,  Erfahrung und ihrer fachlichen Kenntnisse qualifizierte Aussagen über den sicherheitstechnischen Zustand von Spielgeräten treffen können. Zu diesem Personenkreis zählen z.B.

- Handwerker von Bau- und Betriebshöfen (Tischler, Schlosser u.a.)
- Fachfirmen der Spielgerätebranche oder des Landschafts- und Gartenbaus
- Fachleute von anerkannten Prüfinstituten (z.B. TÜV, DEKRA u.a.)

Die Qualifikation erstreckt sich dabei einerseits auf die Kenntnis der fachlich relevanten Sicherheitsanforderungen (z.B. DIN EN Normen, sonstige Vorschriften), die ggf. über Fachseminare und Fachliteratur gewonnen werden können. Andererseits ergibt sie sich aus der handwerklichen und ingenieurtechnischen Grundausbildung, die diese Personen in die Lage versetzt, aus einer festgestellten gefährlichen Situation vor Ort entsprechende Risikobetrachtungen bzw. Gefährdungsbeurteilungen vorzunehmen und daraus Schlussfolgerungen für den weiteren Spielbetrieb zu ziehen.

Was ist zu tun, wenn Mängel festgestellt werden?

Die Frage stellt sich für alle drei Kontrollkategorien und ist vom Grundsatz her so zu beantworten, dass Mängel, die die Sicherheit der Schüler/Kinder gefährden, möglichst umgehend zu beseitigen sind. Bei den Sichtkontrollen lässt sich dieser Grundsatz in einigen Fällen auch so befolgen. Bei anderen Gefahrenpunkten geht das nicht so ohne weiteres, weil z.B. spezielles Handwerkzeug benötigt wird oder auch entsprechendes Fachpersonal herangezogen werden muss. Dann wird die Entscheidung zu treffen sein, ob das betreffende Spielgerät oder bestimmte Teile eines Spielbereichs zunächst bis zur Mängelbeseitigung gesperrt werden. Auch ein kompletter Abbau ist ggf. in Erwägung zu ziehen. Wann dieser Punkt aufgrund der Gefährdungslage erreicht ist, lässt sich nicht verallgemeinern. Nach Lage der Dinge ist dies stets eine Entscheidung im Einzelfall und wird zu berücksichtigen haben, ob das Sicherheitsrisiko eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit hat. Auch die möglichen Verletzungsfolgen werden die Entscheidung beeinflussen. In Zweifelsfällen sollte man immer versuchen, sich kompetenten Rat zu holen, z.B. von den zuvor schon genannten Fachleuten.

Schlussbemerkung

Für Schulen und kommunale Kindergärten dürfte es nicht schwer sein, für die Funktions- und Jahreskontrollen das qualifizierte Personal des örtlichen Bau- und Betriebshofs zu verpflichten, denn schließlich sind sie es auch, die in der Regel die Spielgeräte auf öffentlichen Spielplätzen überprüfen. Man hat in diesen Fällen auch gleich handwerkliche Kräfte parat, die eventuell notwendige Reparaturen erledigen. Für Schulen und Kindergärten, die nicht in kommunaler Trägerschaft stehen, wäre es eine große Hilfe, wenn mit den Städten und Gemeinden vor Ort ein ähnliches Vorgehen vertraglich geregelt werden könnte. Lassen sich hingegen solche Vereinbarungen nicht treffen, wird es notwendig sein, nach eigenständigen Lösungen für diese Aufgabe zu suchen (z.B. Auswahl und Ausbildung geeigneter Mitarbeiter aus dem Personal in den übergeordneten Verbandsebenen; ggf. Verpflichtung einer Fachfirma). In jedem Fall steht außer Frage, dass die Spielgeräte des Pausenhofes oder des Kindergartenaußengeländes in einen regelmäßigen und fachgerechten Kontrollzyklus eingebunden werden müssen.

Klaus Wolf
(Aufsichtsperson beim GUV Hannover)

Literaturhinweise:

1. Informationsbroschüre "Außenspielflächen und Spielplatzgeräte" GUV 26.14
zu beziehen bei den Unfallversicherungsträgern
2. Zeitschrift "kinder, kinder", Ausgabe 1/2001, Seite 9
Checkliste - Wartung und Kontrolle von Spielgeräten
3. DIN EN 1176, Teil 7 "Spielplatzgeräte - Anleitung für Installation, Inspektion, Wartung und Betrieb", Beuth-Verlag, Berlin
4. Spielplätze und Freiräume zum Spielen - Ein Handbuch für die Praxis
G. Agde, H. Degünther, A, Hünnekes, Beuth-Verlag, Berlin
ISBN: 3-410-14892-2
5. Spielgeräte - Sicherheit auf Europas Spielplätzen
G. Agde, G. Beltzig, J. Richter, D. Settelmeier, Beuth-Verlag, Berlin
ISBN: 3-410-14983-X

ABA Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.| Clarenberg 24 | D-44263 Dortmund | e-mail: ABA@ABA-Fachverband.org