ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Sicherheit auf Spielplätzen

Gefahrenquelle "Rindenmulch"?

Im Zusammenhang mit Unfällen auf Kinderspielplätzen rückt Rindenmulch zunehmend in den Brennpunkt der Kritik. Dabei handelt es sich um zerkleinerte Baumrinde, die bei der Vorbereitung von Stämmen zur Holzverarbeitung anfällt. Gärtner schätzen ihre Biomasse nicht nur wegen ihres Gerbsäuregehalts, der das Wachstum von Unkraut vermindert und den Boden mit pflanzenverfügbaren Nährstoffen versorgt, sondern auch wegen ihrer erosionshemmenden Eigenschaften, wird doch der Boden vor Nässe und zu starker Sonneneinstrahlung geschützt. Auf Spielplätzen hingegen ist sein Einsatz umstritten: Befürworter heben die exzellenten Fallschutzeigenschaften hervor. Selbst bei starker Trockenheit bleibt das Material locker und wirkt falldämmend. Auch aus hygienischen Gründen ist Rindenmulch empfehlenswert: Hunde und Katzen meiden es in der Regel als Abort. Das reduziert die Betreiberkosten, zumal der kostspielige Austausch des Sandes entfällt. Sollte sich dennoch ein Vierbeiner dorthin verirren, wird die Masse einfach aufgefüllt.
Kritiker hingegen geben zu bedenken, dass der hohe Gerbsäureanteil den Verrottungsprozess bei Hölzern beschleunigt. So kommt es im Erdübergangsbereich zu Fäulnis. In Mittelstrimmig1 war sie nachweislich für den Abbruch des Stammes verantwortlich. Ob das auch in Obertshausen2 gilt, bleibt abzuwarten. Noch liegen keine eindeutigen Erkenntnisse vor, so ein Polizeisprecher.3  
Experten warnen hingegen davor, Rindenmulch in Verbindung mit Holzgeräten einzusetzen. Bereits nach dem Unfall in Mittelstrimmig tagte der Normenausschuss der Spielgerätehersteller und beriet über die gänzliche Verbannung von Rindenmulch von Spielplätzen mit Holzgeräten.4  
Damals waren sich die Experten noch uneins. Das kann sich schnell ändern. Sollte sich herausstellen, dass Rindenmulch auch für den Unfall in Obertshausen verantwortlich ist, wird der Ausschuss sicherlich anders entscheiden.
Ein Verbot von Rindenmulch in Zusammenhang mit Hölzern hält auch Benno Schäfer5 für sinnvoll. "Man könnte den Mulch ja immer noch dort als Fallschutz einsetzen, wo keine Holzgeräte stehen. Beispielsweise unter der Laufstrecke einer Seilbahn." Recht hat er!
Gänzlich wird Rindenmulch wahrscheinlich nicht von unseren Spielplätzen zu verbannen sein. Das liegt nicht zuletzt an der Norm selbst, handelt es sich doch um eine europäische. Bekanntlich duldet Brüssel keine nationalen Alleingänge. Ein Weg aus der Sackgasse wäre sicher eine Empfehlung von offizieller Seite, beispielsweise vom TÜV. Doch der hält sich bedeckt. Fragt sich nur, wie lange noch vornehme Zurückhaltung in einer so wichtigen Frage hingenommen werden kann. Und über eines muss man sich grundsätzlich im Klaren sein: Es wäre fatal, wenn Spielgeräte ins Gerede kommen, obwohl es eigentlich am Rindenmulch liegt und an der Fahrlässigkeit oder Unkenntnis von Inspektoren.

Der vorstehende Bericht wurde auszugsweise der "freizeit & spiel" (März/April 2002) entnommen. Wir danken Herrn Thomas Rolf Müller von der Redaktion für die freundliche Zustimmung, diesen Artikel hier ins Netz zu stellen.

Dortmund, Mai 2003

Anmerkungen:
1 Mittelstrimmig ist ein Ort nahe Cochem an der Mosel (Rheinland-Pfalz). Dort verunglückte im Jahr 2000 ein achtjähriges Mädchen auf einem Spielgerät, als der tragende Mast 15 Zentimeter unterhalb der Erdoberfläche zerbrach.
2 Im hessischen Obertshausen (Kreis Offenbach) kam es im Februar 2002 beim Abbruch eines 4,60 hohen "Piratenturms" zu einem tödlichen Unfall mit einem vierjährigen Jungen.
3 Anmerkung Rainer Deimel: In einem Gespräch am 29. April 2003 äußerte sich der Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Süd-Ost-Hessen in Offenbach mir gegenüber dahingehend, das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Seiner Meinung nach handelte es sich bei dem Unfall um einen sehr tragischen Fall. Die Gutachter seien bislang nicht zu einer einheitlichen Auffassung gelangt. Dem gebrochenen Pfosten sei zuvor nicht anzusehen gewesen, dass er verfault war. Der Fäulnisprozess habe in Inneren des Pfostens stattgefunden. Seiner Meinung nach sei die Kommune regelmäßig ihren Pflichten nachgekommen.
4 Auch Franz Danner vom TÜV Bayern weist darauf hin, dass die Verrottung von Rindenmulch eine starke Versauerung des Bodens bewirkt. Hierdurch würden Geräteteile stark angegriffen. Danner geht davon aus, dass sich die zeitliche Haltbarkeit der Geräte dadurch halbiert. Er empfiehlt den Einbau von Pfostenschuhen, sofern Mulch in Zusammenhang mit Holzgeräten genutzt wird (Danner: Sicherheit auf dem Spielplatz. Eigenverlag 1997, S. 14).
5 Benno Schäfer ist Geschäftsführer des Spielgeräteherstellers ABC-Team in Ransbach-Baumbach (Rheinland-Pfalz).

Nachtrag

Am 7. November 2007 erreichte uns ein wichtiger Hinweis von Detlef Schwager aus Roeblingen am See. Er teilt mit:

"Ich vermisse in Ihrem Internetbeitrag die Erwähnung oder den Kommentar Ihrer Redaktion, dass zur Vermeidung von Durchfaulungen und zu Erhöhung der Langlebigkeit alle Holzgeräte aufgeständert werden sollten.

Im Holzbau ist es ein Grundsatz, den Kontakt des Holzes zum Erdreich zu vermeiden.

In unserem Ort wurden alle Holz-Spielgeräte auf den öffentlichen Spielplätzen dahingehend umgebaut."

Wir bedanken uns für diese Anregung und stellen sie gern hier ein.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27. April 2009

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