ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Der Täter-Opfer-Ausgleichsfonds (Schadensregulierungs-Fonds)
beim
ABA Fachverband (TOA-Fonds)

In Verhandlungen mit der Stadt Dortmund und dem Verein Die Brücke e.V. (Straffälligenhilfe für Dortmund) wurde vereinbart, den Täter-Opfer-Ausgleichsfonds mit Ablauf des Jahres 2007 an die Brücke abzutreten. Wir bitten, dies zu berücksichtigen und sich im Bedarfsfall direkt dorthin zu wenden.


Kontakt zum Verein "Die Brücke, Dortmund"

Dennoch ist dem ABA Fachverband das Thema ein Anliegen, sodass wir uns dazu entschlossen haben, diese Seite weiterhin am Netz zu lassen.

Aktuelle Beiträge stellen wir weiter unten ein (unter "Vorgänge zum Jugendstrafrecht" und "Dokumente").

Wir möchten ebenso darauf hinweisen, dass der ABA Fachverband als gemeinnütziger Träger der freien Jugendhilfe bußgeld- und spendenbezugsberechtigt ist. Zur Aufrechterhaltung seiner Arbeit ist der Verband auf derartige Zuwendungen dringend angewiesen.

ABA Fachverband


Zur Debatte um das Jugendstrafrecht

Die Übertragung des Täter-Opfer-Ausgleichsfonds an "Die Brücke e.V." veranlasst uns keineswegs, unser Engagement in dieser Sache einzustellen. Über die von Roland Koch losgetretene öffentliche Diskussion hat uns vielmehr dazu bewogen, hier eine spezielle Seite anzubieten. Zunächst hatten wir auf unseren Seiten "Aus Politik und Zeitgeschehen 2008" sowie im Informationsdienst i-Punkt berichtet. Diese Inhalte haben wir nunmehr hier eingestellt und ergänzt. Dieses Engagement glauben wir auch unserem verstorbenen Vorstandsmitglied Carlo Hölscher schuldig zu sein.

Link auf die Seite "Debatte um das Jugendstrafrecht 2008


Zum Verlauf des TOA-Fonds beim ABA Fachverband

Nachdem dies durch das Jugendgerichtsgesetz (JGG) ermöglicht wurde, besteht seit Februar 1991 zwischen dem ABA Fachverband und der Jugendgerichtshilfe des Jugendamtes Dortmund die Vereinbarung, dass Jugendliche und Heranwachsende, die aus eigenen Mitteln keinen Schadensausgleich leisten können, diesen über Freizeitarbeit zu erarbeiten, die aus dem TOA-Fonds finanziert wird.
Dem betroffenen Personenkreis kann angeboten werden, für einen Verrechnungssatz von EUR 6,- pro Stunde in einer der bekannten Freizeitarbeits-Einrichtungen Leistungen zu erbringen. Der erarbeitete "Verdienst" wird entweder direkt an das Opfer ausgezahlt oder durch Vermittlung der beteiligten SozialarbeiterInnen direkt übergeben. Dieses Verfahren korrespondiert mit dem Selbstverständnis des Verbandes, das dem Erwerb von Verantwortlichkeit (für sich und andere) und dessen "Ein-Üben" primäre Bedeutung zumisst.
Der Fonds wird durch Geldbußen immer wieder aufgefüllt. Die Akzeptanz bei den Jugendrichtern und den beteiligten Staatsanwälten ist so groß, dass es noch nie zu Schwierigkeiten bei der Auszahlung der Gelder gekommen ist.
In den ersten Jahren zeigte sich, dass der Schadensregulierungs-Fonds ein unverzichtbares Instrumentarium für Wiedergutmachung in Dortmund ist. Damit hat sich der TOA-Fonds beim ABA Fachverband zu einem sinnvollen pädagogischen Mittel etabliert. Erst durch ihn kann Tätern aus engen wirtschaftlichen Verhältnissen (z.B. SchülerInnen oder Arbeitslosen) angeboten werden, durch selbst erbrachte Leistungen aktiv Schadenswiedergutmachung zu erbringen.

Die TOA-Fonds in Dortmund 1991 bis 2005

1991/1992

2.454.- EUR

Auszahlungen an 25 Geschädigte und Opfer

1993

1.380.- EUR

Auszahlungen an 8 Geschädigte und Opfer

1994

4.243.- EUR

Auszahlungen an 16 Geschädigte und Opfer

1995

3.067.- EUR

Auszahlungen an 27 Geschädigte und Opfer

1996

6.646.- EUR

Auszahlungen an 48 Geschädigte und Opfer

1997

8.691.- EUR

Auszahlungen an 52 Geschädigte und Opfer

1998

8.334.- EUR

Auszahlungen an 56 Geschädigte und Opfer

1999

23.028.- EUR

Auszahlungen an 114 Geschädigte und Opfer

2000

13.028.- EUR

Auszahlungen an 97 Geschädigte und Opfer

2001

22.558.- EUR

Auszahlungen an 121 Geschädigte und Opfer

2002

26.583.- EUR

Auszahlungen an 127 Geschädigte und Opfer

2003

27.449.- EUR

Auszahlungen an 120 Geschädigte und Opfer

2004
31.786,- EUR
Auszahlungen an 156 Geschädigte und Opfer
2005 22.535,- EUR Auszahlungen an 134 Geschädigte und Opfer

1991-2005

201.782.- EUR

Auszahlungen an 1.101  Geschädigte und Opfer

Die Vermittlungsbilanz – 15 Jahre TOA-Fonds nach dem JGG in Dortmund

Bei ihrem gemeinnützigen Einsatz erfahren die Jugendlichen erfahren einerseits Wertschätzung, andererseits "begreifen" sie, dass "Arbeit" "Arbeit" und "geldwert" ist. Neben der Arbeit können sie lernen, sich z.B. bisweilen in die Rolle des Opfers hineinzuversetzen und nachzuempfinden. Und sie erfahren, dass sie die Mittel aufbringen können, den Schaden wiedergutzumachen.

Interessierte an dem hier geschilderten, pädagogisch nachahmenswerten Verfahren dürfen sich gern mit dem ABA Fachverband in Verbindung setzen.

Die Jugendgerichthilfe in Dortmund war von Beginn an - dank dem fachlich sehr versierten  Kollegen Carlo Hölscher - in Sachen "Täter-Opfer-Ausgleich" engagiert. Die intensive Kooperation mit der Jugendgerichtshilfe der Stadt Dortmund gab es über 16 Jahre lang. Das anfangs wenig "sichere" Konzept, das uns das JGG einräumte, war ein Wagnis. Und es war erfolgreich!  Carlo Hölscher und andere Aktive - wie Ulrike Hinz (Jugendgerichtshilfe Dortmund) und Susann Poppke (ABA Fachverband) haben sich immer wieder für die Chancen junger Leute eingesetzt. Zu unserem allergrößten Bedauern verstarb Carlo Hölscher  im Juni 2007 nach einer schweren Krankheit.
Weitere Informationen


Interessierte Leserinnen und Leser finden hier weiteres Material:

Fachliteratur zum Thema "Täter-Opfer-Ausgleich"

Unser Beiratsmitglied Prof. Dr. Gerhard Fieseler von der Universität Kassel hat uns freundlicherweise folgende Examensarbeiten zum Thema zur Verfügung gestellt. Diese liegen als Manuskript in unserem Archiv vor:

- Harald Rohde und Mathias Seifert: Der Wiedergutmachungsgedanke im Jugendstrafrecht. Theorie und Praxis des Täter-Opfer-Ausgleichs. (April 1993, 150 Seiten)
- Winfried Bühris: Täter-Opfer-Ausgleich im Jugend- und Erwachsenenstrafrecht (April 1995, 125 Seiten)
- Thomas Plaßwilm: Der Täter-Opfer-Ausgleich als ambulante Maßnahme nach dem Jugendgerichtsgesetz (April 1997, 103 Seiten)
- Tobias Stöber: Täter-Opfer-Ausgleich - Bestandsaufnahme und Ausblick (April 2001, 117 Seiten)

Ferner empfiehlt Prof. Dr. Fieseler folgende Publikation:

- Angelika Gregor: Täter-Opfer-Ausgleich im Jugendgerichtsverfahren unter besonderer Berücksichtigung weiblicher Opfer

Die Arbeit wurde als Dissertation eingerecht und veröffentlicht im Jahr 2000 beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge (Publikationen).

Von großen Erwartungen und ersten Schritten - Kriminalprävention - Mit Zwang zum Erfolg? Freiheitsentziehende Maßnahmen - Frühprävention von Gewalt gegen Kinder ind psychosozial belasteten Familien - Familien sind keine "Inseln" (DJI Bulletin 72/2005, 20 Seiten, 1 MB

 

Hinweis für Richter, Staatsanwälte und Strafverteidiger

Der ABA Fachverband (gegründet 1971) ist ein gemeinnütziger Verein, parteipolitisch und konfessionell ungebunden und als Träger der Freien Jugendhilfe öffentlich anerkannt. Er setzt sich für die Interessen, den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention ein. Der Verband tritt intensiv für eine bessere Vernetzung von Organisationen ein, die sich um adäquate Unterstützung junger Menschen und ihrer Familien bemühen. Als gemeinnützige Organisation ist der Verband bußgeldempfangsberechtigt. Hinweisen möchten wir hier auch auf unsere Seite Kinder- und Jugendhilferecht. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an uns. Telefonisch erreichen sie uns über 0179.211 04 73 und/oder per E-Mail.

 

Vorgänge zum Jugendstrafrecht

Interview mit Prof. Dr. Christian Pfeiffer zum Thema Jugendgewalt: Ethnische Herkunft spielt faktisch keine Rolle
Interview aus der "e&w" (Erziehung und Wissenschaft) 3/2008 herunterladen

Jugendrichter lehnen Warnschussarrest und Verschärfung des Jugendstrafrechts ab. Jugendrichter äußern sich angesichts der Anfang 2008 entbrannten Debatte.
Pressemitteilung 1/2008 der DVJJ vom 9. Januar 2008 herunterladen

Stellungnahme von Prof. Dr. jur. Wolfgang Heinz (Lehrstuhl für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Konstanz) vom 9. Januar 2008 zur aktuellen Diskussion um eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Die Stellungnahme soll als Resolution der Deutschen Vereinigung der Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen verabschiedet werden.
Stellungnahme herunterladen

Für ein rationales Jugendstrafrecht statt "Voodoo-Kriminalpolitik"! Erklärung der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen vom 11. Januar 2008
Erklärung herunterladen

Koch will Jugendstrafen auch für Kinder
Berlin. Ungeachtet massiver Kritik von Experten und der Opposition hat Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in der Debatte um härtere Strafen nachgelegt. In Ausnahmefällen müsse das Jugendstrafrecht auch bei Kindern angewandt werden, forderte Koch in der "Bild am Sonntag". Es gebe eine "sehr aggressive Kriminalität einer sehr kleinen Gruppe" von unter 14-Jährigen. Oft würden diese auch noch von Erwachsenen benutzt, die auf die Strafunmündigkeit der Täter setzten.
WAZ vom 14. Januar 2008

Pressemitteilung der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ) vom 14. Januar 2007: Keine Kinderstaatsanwälte! Fachverband verbittet sich Nachhilfe für Richter. DVJJ lehnt Senkung des Strafmündigkeitsalters ab. Der Vorsitzende Prof. Dr. Bernd-Rüdeger Sonnen: "Unsere Jugendrichter machen einen guten Job. Sie brauchen keine Nachhilfe, am wenigsten von wildgewordenen Wahlkampf-Rambos."
Pressemitteilung herunterladen

Mindeststandards für den Jugendstrafvollzug
Die Mindeststandards wurden von einer Runde Vollzugs-Fachleute auf Initiative der DVJJ, der DBH, der BAG Soziale Arbeit im Justizvollzug und der ADB ausgearbeitet. Sie werden bereits von einigen Fachverbänden und Personen unterstützt – weitere Unterstützung werben wir zur Zeit noch ein. Die Mindeststandards repräsentieren einen breiten fachlichen Konsens über Mindestanforderungen, die an die von den Ländern zu erarbeitende Jugendstrafvollzugsgesetze zu stellen sind.
Hier geht es zu den Standards der DVJJ.

 

Dokumente

Der Hamburger Justizsenator Roger Kusch macht mal wieder mit einem kühnen Vorstoß von sich reden. Hamburgs Justizsenator will das Jugendstrafrecht abschaffen. SPIEGEL-ONLINE am 31. Janauar 2006

Hamburger Justizsenator auf dem Weg ins 19. Jahrhundert - Forderung zur Abschaffung des Jugendstrafrechts eine absurde Entgleisung. Die Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ) am 1. Februar 2006 zum Kusch-Vorschlag

Deutscher Richterbund am 1. Februar 2006: Senator Kusch wird zur Belastung der Justiz

Reaktion von Professor Horst Viehmann auf die Einlassung des Senators Kusch: Hamburgs Justizsenator auf Nazi-Kurs

Reaktion der Rechtsanwälte Lukas Pieplow und Joachim Schmitz-Justen auf die Einlassung des Senators Kusch: Wütendes Säbelrasseln

Nachtrag zu Roger Kusch:

Am 27. März 2006 wurde Roger Kusch durch Bürgermeister von Beust entlassen. Letztendlicher Auslöser waren der unerlaubte Erhalt und die unerlaubte Weitergabe vertraulicher Unterlagen aus einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss durch die von ihm geleitete Behörde. Der Untersuchungsausschuss war eingesetzt worden, um die Zustände in einem geschlossenen Heim für straffällig gewordene Jugendliche zu klären. Im Verlauf der Ausschussarbeit wurde durch die Opposition gegen Kusch Beugehaft beantragt.
Die Unterlagen waren an Kuschs Anwalt und einen in Fragen parlamentarischer Untersuchungsausschüsse kompetenten Mitarbeiter der CDU im Bundestag weitergeleitet worden.
Fünf Stunden nach seiner Entlassung trat Kusch aus der CDU aus, der er 34 Jahre angehört hatte.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Kusch)

6. Bundeskongress der Jugendgerichtshilfe (Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V.): 6. Bundeskongress beschäftigte sich mit KICK - So viel Jugendstrafrecht wie nötig, aber so viel Jugendhilfe wie möglich - Resolution

Im September 2006 haben sich Prof. Dr. Gerhard Fieseler und Rainer Deimel darauf verständigt, im ABA-Netz eine Seite "Kinder- und Jugendhilferecht" zu organisieren.  Auf dieser Seite wird es primär um die Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland gehen.

 

Für interessierte Kolleginnen und Kollegen empfehlen wir ferner:

Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V. (DVJJ)

 

Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen

 

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27. April 2009

 

 

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