ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Jugendfarm Bonn



Von der kleinen Jugendfarm zum Trägerverein der Jugendhilfe

Die Jugendfarm Bonn als Beispiel, wie sich ein Platz der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Jugendhilfelandschaft etabliert

 

 


Foto: Jugendfarm Bonn

Mit dem Ziel, in Bonn eine Jugendfarm aufzubauen, gründete im Jahr 1980 eine kleine Gruppe junger Leute – größtenteils Pädagogikstudenten – den Verein Jugendfarm Bonn e.V. Nach erheblichen Schwierigkeiten auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück sowie intensiver Überzeugungsarbeit in verschiedenen Gremien der Stadt konnte die Farm fünf Jahre nach der Gründung des Vereins auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei eröffnet werden.

Seitdem hat sich beim Trägerverein wie auf der Farm selbst vieles verändert und getan. Die Jugendfarm Bonn hat es bis heute geschafft, die Kernidee der Jugendfarmen im Sinne eines Stadtteilbauernhofes für Kinder und Jugendliche aufrecht zu erhalten und gleichzeitig auf die verschiedenen Anforderungen unserer schnelllebigen Zeit zu reagieren.

Wie bei vielen anderen Einrichtungen bedrohte auch auf der Jugendfarm Bonn immer wieder beträchtlicher Geldmangel die Arbeit. Tatsächlich war die Farm im Jahre 1993 durch ein enormes Haushaltsdefizit erstmals von der Schließung bedroht. Ein erfolgreicher Spendenaufruf und eine Nachzahlung der Stadt rettete die Farm vor dem Aus.

Gleichwohl steckt in jeder Krise das Potenzial zur Veränderung; so auch auf der Jugendfarm Bonn. Noch während der Finanzkrise wurden neue Ideen und Konzepte entwickelt, wie die Farm ihr Profil stärken und ihre Angebote für die Offene Kinder- und Jugendarbeit und in der Erziehungshilfe ausweiten und attraktiver gestalten kann.

Seitdem wurden immer wieder neue Standbeine (der Erziehungshilfe) hinzugefügt, die die originäre Offene Arbeit der Farm (finanziell) mittragen. Im Umkehrschluss profitieren die Angebote zur Erziehungshilfe gleichzeitig von der Idee der Jugendfarm mit ihrer erlebnis-, natur- und tiergestützten Pädagogik.

Tagesgruppen

1995 entstand auf der Farm die erste Tagesgruppe (§ 32 KJHG) als Erziehungshilfeangebot. Mittlerweile bietet die Farm auf ihrem Gelände zwei Tagesgruppen mit 17 Plätzen sowie eine Gruppe der flexiblen Tagesbetreuung mit 6 Plätzen an.

Heilpädagogisches Reiten

Das heilpädagogische Reiten wurde als Angebot der Erziehungshilfe eingeführt und wird von den eigenen Tagesgruppen und externen NutzerInnen in Anspruch genommen.

Errichtung eines Stadteiltreffs mit Erziehungshilfeangeboten

1999 übernahm die Jugendfarm die Planung und Konzeption des Spielplatzes Finkenweg im nahe gelegenen sozialen Brennpunkt Kohlkaul. Hier entstanden ein Kinder- und ein Jugendtreff. Auch hier wurden die offenen Angebote mit Hilfen zur Erziehung verzahnt, je eine Mädchen- und eine Jungengruppe wurden im Rahmen der flexiblen Tagesbetreuung in die Strukturen des Platzes integriert.

Jugendfarm als Träger von Offenen Ganztagsschulen (OGS)

Die bisher letzte Herausforderung für die Jugendfarm ergab sich infolge der ersten Pisa-Studie. Damals wurden von Bund, Ländern und Kommunen Finanzpläne zum Ausbau von Ganztagesschulen beschlossen. Programme und Konzepte entstanden und wurden an einigen Schulen schon 2003 umgesetzt. Bereits kurz danach begann auch die Jugendfarm, sich in diese neue Schulform einzubringen und bot an zwei nahe gelegenen Schulen Übermittagsbetreuung an und entwickelte daraus dann zwei verschiedene Angebote.

Nach den Sommerferien 2005 wurde die Übermittagsbetreuung an der Marktschule in eine der ersten Offenen Ganztagsschulen der Stadt Bonn mit mittlerweile 150 Plätzen umgewandelt. An der Gartenschule entstand zudem die „OGS plus“, ein Kooperationsprojekt zwischen Schule, Jugendamt und Jugendfarm mit insgesamt 16 Plätzen, bei der die Erziehungshilfe in die Betreuung integriert wird.

Nach den Sommerferien 2006 wird die Farm bei zwei weiteren Schulen die Trägerschaft der Offenen Ganztagsschulen mit insgesamt 150 Plätzen übernehmen und diese organisieren und beleiten. Die verschiedenen OGS-Gruppen nutzen dabei die Möglichkeiten der Farm und bieten regelmäßig unterschiedliche nachmittägliche Freizeit-Angebote für die Kinder, die die offene Ganztagsschule nutzen, auf der Farm selbst an.

Für Mitte 2007 werden dann noch drei weitere Grundschulen unter der Trägerschaft der Jugendfarm zur OGS umgewandelt, eine davon wiederum als Förderschule mit einem Mischkonzept zwischen Betreuung und Hilfen zur Erziehung.

Es gibt zudem aktuell (2006) zwei kommunale Anfragen für die Errichtung einer weiteren Jugendfarm beziehungsweise eines Stadtteiltreffpunktes; die Übernahme eines Jugendzentrums wird diskutiert.

Zum Sommer 2006 beschäftigt der Verein Jugendfarm Bonn e.V. über 75 Festangestellte, 15 Honorarkräfte, 8 Praktikantinnen und 4 Zivildienstleistende. Die geschilderte Entwicklung war nur möglich, weil verschiedene Gremien von Mitarbeitern Projektentwicklungsteams bildeten und von Seiten des Vorstandes größtmögliche Freiheit bei der Umsetzung gewährt wurde.

Bericht: Stephan Dülberg/Heike Merx

 


Foto: Rainer Deimel 

Die Entwicklung der Jugendfarm Bonn mitzuerleben, war „von außen“ wie ein „kleines Wunder“ zu beobachten. Der ABA Fachverband hat die Farm mittlerweile über viele Jahre interessiert begleitet. Enthusiastisch erteilte der Wissenschaftsladen Bonn e.V. (Zentrum für bürgernahen Wissenschaftstransfer) unter dem Titel „Die Farm ist das Programm“ (ca. 1996/97) diverse auffallende Prädikate. Unter anderem stufte er sie als „Baustelle mit Charme und Charakter“ ein. Ohne die rasante Weiterentwicklung neuer Medien – wie wir sie gegenwärtig erleben – voraussehen zu können, dass also Kinder immer mehr zu Gefangenen ihrer selbst oder möglicherweise ihrer Eltern im häuslichen Wohn- bzw. Kinderzimmer werden, weist er darauf hin, dass hier Abenteuer- und Naturerlebnisse genau das bewirken, was Kinder für eine gedeihliche Entwicklung benötigen; virtuelle Scheinwelten, so der Wissenschaftsladen, können dies nicht ersetzen. Dass die Jugendfarm Bonn nicht nur in besonderer Weise in hoher Verantwortung mit Kindern arbeitet, sondern auch Kindern ein großes Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenzen vermittelt, wollen wir hier gern noch erwähnen. An einer Stelle haben wir den Ausführungen des Wissenschaftsladens Bonn bereits seinerzeit widersprochen, nämlich seiner Einschätzung, dass „alles, was normalerweise unter dem Etikett ‚Abenteuerspielplatz’ angepriesen wird“, nach kurzer Zeit langweilig und öde erscheine. Da waren die KollegInnen vom Wissenschaftsladen wohl auf einer „anderen Veranstaltung“! Die Jugendfarm Bonn ist ein Abenteuerspielplatz! Und was für einer! Das, was man sich im Wissenschaftsladen (damals) unter Abenteuerspielplätzen vorstellte, waren keine Abenteuerspielplätze.

Der ABA Fachverband hätte keine Probleme gehabt, für die vorbildliche Arbeit der Jugendfarm Bonn – als solcher – vier Sterne zu vergeben. Die auffallende Regsamkeit, das Nutzbarmachen konstruktiver offener Angebote auch für andere Obliegenheiten – wie erzieherische Hilfen und die offene Ganztagsschule – lässt uns nicht dran vorbeikommen, hier allen Ernstes fünf Sterne zu vergeben. Die übrigen Kriterien, die auf unserer Internetseite unter „Qualität: Inspiration“ nachgelesen werden können, sind ebenfalls allesamt erfüllt. Wollen Sie Ihre Arbeit verbessern? Brauchen Sie Anregungen? Fahren Sie nach Bonn! Der ABA Fachverband vergibt fünf Sterne (*****)!


(1 ) Anmerkung des ABA Fachverbandes: Tendenziell ist hier einer der jüngsten Abenteuerspielplätze in NRW entstanden.
(2) Leider ist es nicht gelungen, den Begriff „Abenteuerspielplatz“ patentrechtlich schützen zu lassen. Wir sollten es gelegentlich erneut versuchen. Allerdings gibt es Kriterien, die auf den Internetseiten des ABA Fachverbandes unter „Qualitätsentwicklung“ zu finden sind, denn immer wieder wurde Hochstapelei mit dem Begriff betrieben. Zur Klarstellung: Der Abenteuerspielplatz ist eine Einrichtung der Offenen Arbeit mit Kindern, die regulär von pädagogischen Fachkräften organisiert wird! Weiteres finden interessierte Leser an der angegebenen Stelle im Netz des Verbandes.

 

Projekt der Jugendfarm Bonn: Mehr Platz für wilde Spiele an der Schule


Foto: Jugendfarm Bonn

Schule und Offene Arbeit, zwei Orte, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine definiert sich oft in Abgrenzung zum anderen: Pflicht versus Freiwilligkeit, Lehrplan versus Freiraum, Lehren versus Lernen ... Inwischen ist die Schule mehr und mehr gefordert, mit anderen Bildungspartnern zu kooperieren. Die Jugendfarm Bonn liefert dazu ein nachahmenswertes Beispiel, dem wir eine zusätzliche Seite im ABA-Netz widmen. Dorthin

 

Großes Mini-Beuel, Filzblumen und jede Menge Freiraum

Ein Projekt des Spielplatzes Finkenweg, Bonn (Träger: Jugendfarm Bonn e.V.)

Kinder brauchen Platz. Sie brauchen Raum und Zeit zum Spielen und zum eigenen Handeln, und sie brauchen Erwachsene, die für sie diese Rechte einfordern und ihnen Räume bieten. Die erste Bonner Kinderstadt „Mini-Beuel“ ermöglichte rund 400 Kindern zwei Wochen lang im Juli 2009 genau dies.
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Projekt "Handwerk fördert Jugend"

Spielplatz Finkenweg, Bonn (Träger: Jugendfarm Bonn e.V.)

Alte Bahnwaggons mit Holzöfen als Heizung haben ihren Charme – auch noch nach acht Jahren intensivster Nutzung unter jeder Wetterbedingung. Dennoch reicht dies leider langfristig bei weitem nicht aus, um ein nachhaltiges und adäquates pädagogisches Angebot als offener Jugendtreff für den sehr hohen Bedarf zu stellen. Der Jugendtreff des Spielplatzes Finkenweg hat daher in einem beispielhaften Projekt seinen Treff um ein festes Gebäude erweitert.
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 6. September 2010

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