ABA Fachverband
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

Der Verband für
handlungsorientierte Pädagogik 

 
 
 
 
     
       

Spielplatzpaten Bochum



Einer Initiative des Jugendhilfeausschusses folgend, wurden die Spielplatzpatenschaften im Jahre 2003 gegründet, woraufhin Sozialarbeiter Bernd Kühlkamp ab Anfang 2004 die Pionierarbeit geleistet hat. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass im Januar 2006 bereits auf 30 Spielplätzen aktive Patenschaften gelebt wurden. Leider ist Bernd Kühlkamp Ende 2005 – viel zu jung – verstorben; sein Erbe war eine aktive und engagierte Patengemeinschaft und zudem eine bestens und klar definierte Organisationsstruktur. Daher gilt Bernd Kühlkamp der aufrichtige Dank seines Nachfolgers und der Dank aller Bochumer Spielplatzpaten für seine außerordentlichen Verdienste.

Seit Januar 2006 ist Sven Klenke für die Spielplatzpatenschaften in Bochum verantwortlich. Basierend auf den bereits bestehenden Patenschaften wurden die Grundgedanken der Bochumer Konzeption

Verbesserung der Attraktivität der Spielflächen und die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements aufgegriffen und weiterentwickelt.

Eine konzeptionelle Besonderheit in Bochum ist die Vergabe der Spielplatzpatenschaften an einen freien Träger der Jugendhilfe, „Die Falken“ (in Form des Falken Bildungs- und Freizeitwerks Bochum e.V.). Im Folgenden soll anhand einiger praktischer Beispiele beschrieben werden, was die Bochumer Spielplatzpaten besonders auszeichnet.


Bochumer Praxis

Die in den 80er-Jahren populäre Bewegung der Straßenfeste diente als Inspiration für die Spielplatzfeste. In der Vorbereitung eines solchen Festes vernetzen sich die Paten und suchen in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis Mitstreiter. Hier eine Kuchenspende, dort ein Paket Kaffee. Infoblätter, Plakate und Aushänge müssen verteilt und aufgehängt werden, starke Leute und wachsame Aufsichtspersonen werden benötigt, damit das Fest auch ohne weinende Kinder oder Schrammen „über die Bühne“ gehen kann. Mit anderen Worten: Alles möchte im Vorfeld eines Spielplatzfestes von den Paten gut organisiert werden. Dieses Zusammenwirken von aktiven, engagierten Menschen macht den besonderen Reiz der Spielplatzfeste aus.


Besucher auf dem Spielplatzfest auf den Sauren Wiesen in Bochum am 11. September 2009 (Foto: Rainer Deimel)

Gibt es so etwas wie ein Rezept für ein gelungenes Spielplatzfest? Eigentlich benötigt man nur eine wichtige Zutat: Engagierte, zupackende, freundliche Paten, die eine gute Portion Organisationstalent mitbringen.


Auf dem Spielplatz "Saure Wiesen" in Bochum als Patinnen aktiv: Claudia Jankowski und Andrea Scherf

In Bochum finden pro Jahr etwa 15 solcher Spielplatzfeste statt. Bei allen Spielplatzfesten sind sowohl stets Sven Klenke als auch das Spielmobil der Falken mit am Ball.


Hüpfburg auf einem Fest - Spielplatz "Sautre Wiesen" in Bochum (Foto: Rainer Deimel)


Wer profitiert letztlich von dem bürgerschaftlichen Engagement der Paten?

Für die Nutzer der Spielflächen – also die Kinder – liegen die Vorteile auf der Hand. Die Anlage ist sauberer, wenn sich Paten um einen Spielplatz kümmern, und durch die Spielplatzfeste werden noch zusätzliche und attraktive Aktionen veranstaltet.

Pony-Attraktion auf einem Fest - Spielplatz "Saure Wiesen" in Bochum (Foto: Rainer Deimel)

Auch auf den zweiten Blick bietet sich mehr als nur eine einfache Situation, die für alle Beteiligten Vorteile bietet („Win-Win“). Je weiter man abstrahiert und sich vom Sandkasten entfernt, desto klarer wird dem Betrachter eine „Win hoch 6“-Situation. Denn nicht nur Kinder und ihre Eltern profitieren von der Leistung der Bochumer Spielplatzpaten.


Mehrgenerationen-Treffpunkt Spielplatz (Foto: Rainer Deimel)

Es bleibt festzuhalten, dass die Stadt Bochum ihrerseits einen sehr hohen Mehrwert durch ihre Spielplatzpaten hat. Denn Paten schauen auf öffentlichen Spielplätzen mindestens einmal pro Woche nach dem Rechten, Paten sprechen Fremdnutzer – wie Hundehalter – an, Paten beseitigen kleine Verunreinigungen selbstständig, Paten teilen der Verwaltung mit, wenn etwas auf dem Spielplatz nicht stimmt, sie bieten insgesamt so auch eine ehrenamtliche „soziale Kontrolle“. Paten geben ferner den Kindern Anregungen zum Spielen. Ebenso können sie in Bochum Spenden sammeln, die in die Verbesserung der Spielsituation auf ihrem Spielplatz fließen.


Foto: Rainer Deimel

Auch aus Sicht der kommunalen Politik sind die Spielplatzpaten eine wichtige und öffentlichkeitswirksame Einrichtung. Einige Parteien haben die Weiterentwicklung des bürgerschaftlichen Engagements und der Mitbestimmung inzwischen in ihr Kommunalwahlprogramm für 2009 übernommen. Ebenfalls sind regelmäßig Vertreter des Jugendhilfeausschusses und aller sechs Bochumer Bezirksvertretungen bei den Spielplatzfesten zu Gast. Einige Bezirksbürgermeister rühmen dabei regelmäßig die Vorteile dieser öffentlich-privaten Partnerschaft und beteiligen sich dann auch anschließend gern tat- und finanzkräftig durch Bezuschussung an den von Paten gesammelten Spenden. Diese Beträge werden von den Paten etwa in Aufträge für Spielgerätehersteller umgewandelt, die dadurch eine Verbesserung ihrer Auftragslage konstatieren können.

Spielplatzfest auf den "Sauren Wiesen" am 11. September 2009: Der Künstler Sergio bastelt mit den Kindern phantastische Gebilde (Foto: Rainer Deimel)

Schließlich sind die Paten selbst die Gewinner Nummer 6. Sie belegen in unserer Gesellschaft, in der die Medien oft von Gleichgültigkeit vor dem Eigentum Dritter, dem Verlust von Werten oder einer Verrohung der Sitten sprechen, das Gegenteil. Sie beweisen, dass es Menschen gibt, denen das Allgemeinwohl wichtig ist. Sie belegen auch, dass es eine Menge Spaß machen kann, sich für den Erhalt von öffentlichen Treffpunkten einzusetzen. So leisten alle Spielplatzpaten ihren persönlichen Beitrag für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Dieses Engagement kann gar nicht hoch genug bewertet werden.


Aktueller Stand des Projektes (September 2009)

Der derzeitige Stand der Patenschaften beläuft sich auf 206 PatInnen, die 91 Spielplätze in Bochum ehrenamtlich betreuen.

Aufteilung der Patenschaften nach Stadtbezirken

- Stadtbezirk 1            Mitte:               73 Paten         für       36 Spielplätze

- Stadtbezirk 2            Wattenscheid 38 Paten         für       18 Spielplätze

- Stadtbezirk 3            Nord:               31 Paten         für       12 Spielplätze

- Stadtbezirk 4            Ost:                 30 Paten         für       10 Spielplätze

- Stadtbezirk 5            Süd:                14 Paten         für          8 Spielplätze

- Stadtbezirk 6            Südwest:        20 Paten          für          7 Spielplätze

 

Kontakt

Stadt Bochum
Kinderbüro/Spielplatzpaten
Willy-Brandt-Platz 8
44777 Bochum
0234/910-2992
E-Mail
Internet


Im Rahmen der Mitgliedschaft der Stadt Bochum im ABA Fachverband arbeitet das Bochumer Patenprojekt seit seinem Bestehen aktiv im Verband mit. Bereits Bernd Kühlkamp war zu Lebzeiten regelmäßiger Besucher der Veranstaltungen, die der ABA Fachverband anbietet. In den letzten Jahren konnte die Kooperation auf erfreuliche und fachlich konstruktive Weise vertieft werden. Das Bochumer Patenprojekt gehört in der Landschaft der nordrhein-westfälischen Spielplatzpaten zu einer aktiven und unverzichtbaren Größe. Über die Qualität der Arbeit vor Ort konnte sich der Verband in diesem Jahr im Rahmen der vom Land NRW geförderten „Tage der Spielplatzpaten 2009“ überzeugen. Die positiven Rückmeldungen der Ehrenamtlichen in Bezug auf das Bochumer Jugendamt und die Kooperation mit dem „Falken Bildungs- und Freizeitwerk“ war durchweg äußerst zustimmend. Nicht nur die tagtägliche Arbeit in Bochum, sondern auch die erfreuliche Mitteilung der Engagierten, es gebe keine Hinweise darauf, dass sie unter Umständen als „Sparpotenzial“ ausgenutzt würden, lässt es leicht fallen, die Arbeit des gesamten Projekts mit vier (****) Sternen auszuzeichnen.

 

Gespräch mit Ehrenamtlichen

Am 11. September 2009 fand ein Gespräch mit Bochumer Spielplatzpatinnen während eines Festes auf dem Spielplatz "Saure Wiesen" in Bochum-Weitmar statt. Die Ehrenamtlichen Claudia Jankowski, Andrea Scherf, Petra Pehlke und Kerstin Rudolph sprachen mit Rainer Deimel vom ABA Fachverband über ihre Patenschaften.
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 5. Oktober 2009

 

 

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